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Thomas Reiter als Langzeitastronaut zur ISS
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28. April 2005. Im Juli dieses Jahres wird der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter als
erster Europäer zu einer Langzeitmission in Richtung Internationale
Raumstation (ISS) starten.
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 Thomas ReiterVergrößerung (330k)(Quelle: ESA).
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Der ESA-Direktor für Bemannte Raumfahrt, Schwerelosigkeitsforschung und
Exploration, Daniel Sacotte, hat kürzlich mit dem Leiter der russischen
Föderalen Raumfahrtagentur (Roskosmos), Anatolij Perminow, eine
Vereinbarung über die Mission unterzeichnet. "Die Vereinbarung regelt den Flug
des ESA-Astronauten auf einer Position, die ursprünglich für ein
russisches Mannschaftsmitglied vorgesehen war", erklärte Sacotte. "Er wird
alle Aufgaben an Bord der ISS wahrnehmen, die der zweite russische
Kosmonaut hätte wahrnehmen sollen, und darüber hinaus ein Versuchsprogramm
der ESA durchführen."
Die Vereinbarung ist Teil einer Reihe bilateraler Übereinkünfte
zwischen Roskosmos und der NASA einerseits und der ESA und der NASA
andererseits und ermöglicht die Durchführung der Mission.
Der für die Mission bestimmte Astronaut, Thomas Reiter, ist Mitglied
des im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) der ESA in Köln
angesiedelten Europäischen Astronautenkorps. Ersatzmann wird sein französischer
Teamkollege Léopold Eyharts sein.
Reiter soll auf dem gegenwärtig für Juli geplanten Raumtransporterflug
STS-121 zur ISS fliegen und auf dem Flug STS-116 im Februar nächsten
Jahres zur Erde zurückkehren. Damit wird er sich nach seinen sechs
Monaten auf der russischen Station Mir vor zehn Jahren im Rahmen der
ESA-Mission Euromir 1995 demnächst zum zweiten Mal über einen längeren Zeitraum
in einer Raumstation aufhalten.
"Mit dem Jungfernflug des Automatischen Transferfahrzeugs (ATV) und dem
Start des Columbus-Labors im kommenden Jahr leistet die ESA wichtige
Beiträge zur ISS und ihren wissenschaftlichen Kapazitäten, weswegen wir
eine bedeutende operationelle Verantwortung in diesem Programm
wahrnehmen. Ich bin zuversichtlich, daß diese Mission Europa eine Menge
operationeller Erfahrung und wissenschaftlicher Ergebnisse einbringen wird, die
uns weiter auf eine spannende und anspruchsvolle Zukunft vorbereiten
werden", meinte Reiter.
"Darüber hinaus", fügte Eyharts hinzu, "absolviere ich als
Reserveastronaut für diese Mission dieselbe Ausbildung wie Thomas, was eine
ausgezeichnete Vorbereitung auf meine Aufgaben als Hauptastronaut bei einer
künftigen ESA-Mission zur ISS in Verbindung mit Columbus sein wird".
Beide Astronauten durchlaufen bereits mit ihren russischen und
amerikanischen Kollegen in den verschiedenen ISS-Ausbildungseinrichtungen in
Houston, Moskau und Köln ihr Trainingsprogramm für diese Mission.
"Erstmals erfolgen, unter anderem als Test für spätere europäische
Langzeitmissionen auf der ISS, die Vorbereitung, die Ausbildung, der
Betrieb und die multilaterale Koordinierung im größtmöglichen Umfang über die
multilateralen Beschlußfassungs- und Managementstrukturen für den
Einsatz der ISS", betonte ESA-Missionsleiter Aldo Petrivelli. "Dies wird
eine hervorragende Gelegenheit zur Erprobung der Koordinierung und
Zusammenarbeit zwischen Bodenkontroll- und Unterstützungszentren wie den
Missionskontrollzentren in Houston und Moskau, dem Columbus-Kontrollzentrum
in Oberpfaffenhofen bei München*, dem Europäischen Astronautenzentrum
in Köln und den verschiedenen in die Mission einbezogenen
Nutzerunterstützungs- und Betriebszentren in ganz Europa sein. Die operationellen
Teams der ESA, der nationalen Raumfahrtagenturen, der Industrie und der
Forschungseinrichtungen in Europa werden also wertvolle
Betriebserfahrungen sammeln, und zwar auch für den künftigen Columbus-Betrieb auf
System-, Untersystem- und Nutzlastebene."
Wissenswertes
- Thomas Reiters Mission zur Internationalen Raumstation soll während
des Aufenthalts der ISS-Mannschaften "Expedition 11" und "Expedition
12" stattfinden. Die Mannschaft der "Expedition 11" flog am 15. April an
Bord einer Sojus-TMA gemeinsam mit ESA-Astronaut Roberto Vittori zur
ISS. Während Vittori jedoch bereits nach einem 10tägigen Aufenthalt mit
der Mannschaft der "Expedition 10" zur Erde zurückgekehrt ist, werden
der russische Kosmonaut Sergej Krikaljow und der NASA-Astronaut John L.
Phillips von der "Expedition 11" nun 6 Monate an Bord der ISS verbringen
- einen Teil davon zusammen mit Thomas Reiter, bis sie Ende September
von der "Expedition 12" abgelöst werden.
- Reiter wird im Juli mit einem US-Raumtransporter (Flug STS-121,
ISS-Mission ULF 1.1) zu Krikaljow und Phillips stoßen. Sein Rückflug zur
Erde ist derzeit für Februar 2006 (Flug STS-116, ISS-Mission 12A.1)
geplant, und zwar gemeinsam mit dem schwedischen ESA-Astronauten und
Mitglied der Mannschaft von Flug STS-116, Christer Fuglesang.
- Je nach Startdatum der US-Raumfähren kann die Dauer zwischen Reiters
Hin- und Rückflug bei 6 bis 7 Monaten liegen.
- Mit dem Beginn von Reiters Mission wird die ISS erneut über eine
ständige dreiköpfige Mannschaft verfügen, so daß auch wieder mehr Zeit für
wissenschaftliche Experimente zur Verfügung stehen wird.
- Die von der ESA für diese Langzeitmission vorgesehenen Experimente
werden anderer Natur sein als die auf früheren europäischen
Sojus-Missionen, etwa der ISS-Mission "Eneide" von Roberto Vittori, durchgeführten,
speziell für eine kurze Aufenthaltsdauer zurechtgeschnittenen Versuche.
Eine Langzeitmission dürfte für Europa als Vorläufer eines künftigen
ISS-Einsatzes mit kontinuierlichem Versuchsprogramm fungieren und der ESA
wertvolle Erfahrungen zur Planung der für das europäische
Columbus-Labor vorgesehenen Versuchsreihen liefern.
- Das auf der Langzeitmission durchzuführende Versuchsprogramm umfaßt
interessante, von Fachwissenschaftlern überprüfte wissenschaftliche
Experimente, es werden jedoch auch kommerzielle Versuche erwogen. Darüber
hinaus sind während des Aufenthalts des ESA-Astronauten ein
Bildungsprogramm sowie ein Technologieexperiment zur Erprobung weltraumgestützter
E-Learning-Methoden geplant.
- Durch die Anwesenheit eines europäischen Astronauten kommt der ESA
auch bei der Einsatzerprobung dreier von ihr entwickelter Nutzlasten
eine wichtige Rolle zu: beim Lungenfunktionssystem PFS, der europäischen
Pflanzenzuchtvorrichtung für Schwerelosigkeitsforschung, EMCS, und
MELFI, einer -80 °C erreichenden Gefriereinrichtung. Den Transport dieser
Geräte übernimmt die NASA mit Flug STS-114, dem zur Zeit für Mai
geplanten ersten Raumtransporterflug seit Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge,
sowie mit Flug STS-121, auf dem auch Thomas Reiter seine Reise in den
Weltraum antreten wird. Diese Anstrengungen sind Teil eines
grundsätzlicheren Vorhabens, nämlich der Demonstration der Beteiligung europäischer
Astronauten an künftigen ISS-Routinearbeiten und insbesondere der
Hervorhebung der Bedeutung des europäischen Beitrags zur wissenschaftlichen
Ausrüstung der Raumstation. Hierdurch werden ferner eine reibungslose
Einsatzerprobung im Weltraum sowie eine schnellere Betriebsbereitschaft
dieser Einrichtungen für ESA-eigene ISS-Versuchsreihen gewährleistet;
einige Experimente sollen bereits während dieser Langzeitmission auf den
neuen Einrichtungen durchgeführt werden.
- Das für die ESA vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
als Hauptauftragnehmer entwickelte Columbus-Kontrollzentrum im
bayrischen Oberpfaffenhofen wurde im Oktober 2004 eingeweiht. Über seine
Kontrollräume ist es bereits an Missionsvorbereitung und -simulation
beteiligt.
Leserkommentare zu diesem Artikel
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