Einen Satelliten bauen, der kleiner als eine Milchtüte ist? Am
Lehrstuhl für Technische Informatik der Uni Würzburg wurde dies im
Team von Professor Klaus Schilling realisiert. Der gesamte UWE wiegt
nur ein Kilogramm und hat die Form eines Würfels mit einer Seitenlänge
von lediglich zehn Zentimetern. Er ist aber trotzdem ein kompletter
Satellit. Dies wurde durch modernste Mikrotechnologie ermöglicht, und
derartig kleine Satelliten bezeichnet man auch als Pico-Satelliten.
Professor Schilling stellte das Projekt gemeinsam mit
Universitätspräsident Axel Haase bei einem Pressegespräch vor.
Die Bodenkontrollstation des Satelliten befindet sich im Institut für
Informatik der Uni Würzburg. Hier arbeiten die Wissenschaftler daran,
die Methoden der Datenübertragung im Internet für Weltraumbedingungen
fit zu machen. Auf der Erde funktioniert der Transport von Daten im
WWW sehr zuverlässig, doch im Weltraum treten Verzögerungen und
Störungen auf. Darum gilt es, die gängigen Internet-Protokolle an
diese erschwerten Bedingungen anzupassen.
"Ziel soll es auch sein, den Satelliten vernünftig ins Erdnetz
einzubinden", sagt Schilling. Aus diesem Grund ist die Würzburger
Bodenkontrollstation über Standard-Internet mit weiteren
Empfangsantennen in Stanford (USA) und Tokio vernetzt. So können die
Forscher die von UWE empfangenen Daten über das "normale" Internet
austauschen und weiterverarbeiten.
Durch die Vernetzung verlängern sie auch die Zeit, in der sie Kontakt
zum Satelliten haben. Wenn UWE die Erde umkreist, vergehen mindestens
90 Minuten, bis er wieder über Würzburg auftaucht. Nur jeweils zehn
Minuten lang können die Informatiker dann seine Daten direkt empfangen
oder Steuerbefehle nach oben schicken. Die Internet-Verbindung mit
Japan und den USA sorgt jedoch dafür, dass UWE auch dazwischen
erreichbar bleibt.
Pico-Satelliten lassen sich schnell und kostengünstig in eine
Umlaufbahn um die Erde bringen. Das eröffnet neue Anwendungsbereiche.
Schilling kann sich zum Beispiel vorstellen, dass künftig einzelne
Wissenschaftler oder Meteorologen ihre eigenen Satelliten im Weltraum
haben. So könnten sie sich genau die Daten beschaffen, an denen sie
interessiert sind.
Die UWE-1-Mission hat noch einen weiteren Auftrag: Der Würzburger
Pico-Satellit trägt hoch effiziente Solarzellen, deren Haltbarkeit und
Leistungsfähigkeit im Orbit untersucht werden sollen. Sie bestehen aus
Galliumarsenid und liefern eine Energieausbeute von 28 Prozent.
Herkömmliche Zellen aus Silicium schaffen dagegen nur 15 Prozent.
Dieser Materialtest für die Industrie nützt auch den Wissenschaftlern:
"Die Solarzellen versorgen den Satelliten mit Energie", sagt
Schilling.
UWE-1 wurde im internationalen CubeSat-Programm entwickelt, initiiert
von Professor Bob Twiggs aus Stanford. In diesem Netzwerk arbeiten
weltweit 40 Universitäten an der Realisierung von Kleinsatelliten. Den
Studierenden bietet das die Chance, in diesem internationalen Verbund
Erfahrungen in der Weltraumtechnik zu sammeln. Am Bau von UWE-1 haben
seit Ende 2003 in Würzburg unter anderem Studierende aus Deutschland,
Kanada, Indonesien, Japan, Rumänien und Indien mitgewirkt.
Das Projekt UWE-1 wurde von zahlreichen Sponsoren gefördert, darunter
die Europäische Raumfahrtagentur ESA, Noordwijk (Raketenstart), IABG (
Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH, Ottobrunn: Tests unter
Weltraumbedingungen), RWE Solutions, Heilbronn (GaAs-Solarzellen),
EADS Astrium GmbH, Ottobrunn/Friedrichshafen (Aufbringung der
Solarzellen, Thermalanalysen).
Unterstützung kam auch aus Würzburg, und zwar durch Wölfel Beratende
Ingenieure (Strukturanalysen), den Universitätsbund und den
Technischen Betrieb der Universität. UWE-1 wird nach Plan am 25.
August vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk aus mit einer Cosmos-
Rakete in seine Umlaufbahn geschossen. Mit dabei sind ein japanischer
und ein norwegischer Pico-Satellit sowie SSETI-Express - das ist ein
Kleinsatellit, den Studenten im Rahmen der "ESA Student Space
Exploration and Technology Initiative" gebaut haben.
Leserkommentare zu diesem Artikel
Warning: include(../sayop/sayop.php) [function.include]: failed to open stream: No such file or directory in /var/www/web2007/html/Artikel/200506290571.html on line 211
Warning: include(../sayop/sayop.php) [function.include]: failed to open stream: No such file or directory in /var/www/web2007/html/Artikel/200506290571.html on line 211
Warning: include() [function.include]: Failed opening '../sayop/sayop.php' for inclusion (include_path='.:/usr/share/php:/usr/share/pear') in /var/www/web2007/html/Artikel/200506290571.html on line 211
Fatal error: Call to undefined function showcomms() in /var/www/web2007/html/Artikel/200506290571.html on line 212
|