Auch insgesamt hat sich durch das allmähliche Sinken der Station die Wahrscheinlichkeit einer Kollision erhöht, wenn auch nur geringfügig. „Die Station muss etwa einmal im Jahr bewegt werden, um einer Kollision zu entgehen,“ erklärt Sprecherin Kylie Clem vom
Johnson Space Center. Sobald eine Trefferwahrscheinlichkeit von 1 zu 10 000 eintritt, dass die Station oder ihre nächste Umgebung (bis zu einer Entfernung von 37 Metern von der Station) getroffen wird, veranlasst die Stationsleitung eine Kursänderung.
Die Probleme begannen am 19. April 2006, als der Antrieb des russischen
Svesda Moduls während eines Tests versagte. Laut Statusbericht der Station könnte die Ursache ein Sonnenschutz gewesen sein, der nicht komplett geöffnet war.
Es war der erste Antriebstest seit dem Jahr 2000, als das Modul an die ISS angedockt wurde. Die Antriebe der Service Module werden nicht oft getestet, da sie im Gegensatz zu den periodisch an der Station geparkten und für die Versorgung zuständigen
Progress Schiffen nicht ausgetauscht werden können.
Am 4. Mai startete das angedockte
Progress Schiff für 6,5 Minuten seine Motoren, um die Umlaufbahn der ISS um 2,7 Kilometer anzuheben. Diese Manöver sind in gewissen Abständen notwendig, da sich die Flughöhe stetig senkt.
Nach dem Feuern des Antriebs empfing die Besatzung im inneren der Station eine Fehlermeldung die besagte, dass die Software der Station nicht korrekt mit der Hardware des
Progress Schiffes arbeite. Seitdem versuchen Techniker den Fehler zu finden und ihn zu beheben. Bis das erreicht ist, kann der Antrieb des
Progress Schiffs nicht verwendet werden. „Es ist eine Sicherheit, die uns jetzt fehlt,“ sagt Clem.
Laut NASA könnte der Antrieb immer noch durch die russische Bodenkontrolle gesteuert werden. Die dafür notwendigen Befehle können nur zur ISS gesendet werden, wenn die Station Funkkontakt zur russischen Bodenstation hat. Das ist täglich jedoch nur während sechs von 16 Umläufen der Fall.
In der Zwischenzeit können immer noch die Thruster des
Svesda Moduls, die nicht mit dem jetzt problematischen Hauptantrieb des Moduls identisch sind, für eine Positionsänderung der Station genutzt werden, ein Manöver, das im Falle einer Kollisionsgefahr jederzeit notwendig werden kann.
Die ISS könnte also unter Umständen nicht in der Lage sein, schnell fliegendem Weltraummüll auszuweichen, wenn sich die Station während eines Ausfalls der Thruster außerhalb der russischen Funkreichweite befinden sollte. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering, da gefährliche Objekte in der Regel frühzeitig durch die NASA erkannt werden.
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