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Versteinerter Wald und walisischer Kuchen
16. Januar 2007, Lilian Manthei. 13.50 Uhr, Hochwasser an der argentinischen Küste. Der starke ablandige Wind verhindert, dass sich auch nur ein Mensch an dem schönen, breiten und 3 km langen Strand von Rada Tilly niederlässt. Einzelne Menschen spazieren am Wasser, andere sitzen um diese Zeit wie wir beim Cafe con leche in der Bar mit Meerblick.


Versteinerte Bäume (Quelle: Ingo)

Was seit dem letzten Bericht geschah: Wir haben zwei Nächte im Hostel in Puerto Madryn verbracht. Es gab einen Garten und ein Küchenhaus, so dass wir die Gelegenheit zum Geldsparen nutzten und selbst kochten (Nudeln, Gemüse, super Parmesankäse). Samstag wollten wir gerne ein Auto mieten, haben dann doch eine organisierte Tour zur Halbinsel (Península Valdés) gemacht. Das hat sich gelohnt: Zum ersten Mal im Leben habe ich quirlige Seelöwen, Pinguine und Seeelefanten gesehen! Am interessantesten waren die unzähligen Seelöwenfamilien. Das war besser als Fernsehen: die Männchen fauchten und kämpften miteinander, die Weibchen schmusten und die schwarzen Babys versuchten ihre ersten Schritte. Es waren einige Babys geboren und die herumliegenden Plazenten wurden von den Möwen verspeist (Pfui- aber sehr nahrhaft). Bei den Seeelefanten ist es so, dass die Weibchen träge am Strand lagen, während die Männchen monatelang unterwegs sind und Tintenfische fressen.

Eigentlich war ein Bootsausflug mit Schnorcheln geplant, der wegen hoher Wellen abgesagt wurde. So sind wir in Puerto Pyrámides in den Wellen baden gewesen. Das Wasser und der Wind waren wieder eisig, aber herrlich!

Unsere Reiseleiterin war sehr nett und hat auch viel auf englisch übersetzt. Trotzdem rauchte mein Kopf vor so viel Spanisch. Außer 8 Argentiniern war noch ein israelisches Pärchen im Bus. Ingo sprach mit dem Mann englisch, ich mit der Frau französisch, die Reiseleitung spanisch und Ingo und ich deutsch. Hilffeee!

Die Argentinier tranken ununterbrochen Matetee und boten uns auch was an. Mein erster Matetee! Herbe Kräuter, etwas bitter, und Zucker in einem Kürbis- oder Metallbecher mit einem durchlöcherten Strohhalm aus Metall. Das ist alles. Natürlich braucht man eine Thermoskanne mit heißem Wasser, um permanent nach zu gießen. Denn es sind pro Portion immer nur 3-4 Schlucke im Becher. Lecker!

Am Folgetag reisten wir schweren Herzens ab. Puerto Madryn hat uns gut gefallen mit dem herrlichen Strand, dem schönen Hostel und der kleinen Stadt. Leider war nun das Hostel ausgebucht und bevor wir noch mal umziehen, reisten wir weiter.

Mittags fuhren wir ab nach Comodoro Rivadavia. Dies ist eine Stadt, die vom Ölvorkommen lebt. Etwa ein Drittel der argentinischen Ölproduktion wird hier gefördert. Da die Stadt nicht besonders schön ist, fuhren wir 15 km weiter nach Süden nach Rada Tilly. Hier gibt es einen ca. 3 km langen Strand, viele tolle Häuser und ein paar Kneipen. Wir zelteten auf einem Campingplatz fast für umsonst. Leider war der Boden sehr hart, so dass wir die Heringe zunächst nicht richtig fest kriegten. Doch das alte Zelt mit neuen Stangen hielt dem Atlantikwind stand. Unsere Zeltnachbarn waren Motorradrocker, die bis tief in die Nacht rockten und Jugendliche mit tiefer gelegten Autos und kaputten Auspuffen.

Ingo wollte gerne zu den Bosques petrificados (versteinerte Wälder), die von hier am besten zu erreichen sind. So fuhren wir mit dem Taxi nach Comodoro, mit dem Bus 2 Stunden nach Sarmiento (irgendwo landeinwärts im Niemandsland) und von da aus 30km über Schotterwege zum Gelände. Dort ging es erneut im Kleinbus durch die Mondlandschaft. Ich war leicht genervt, da es KEIN Reisetag war und wir trotzdem nur in Bussen und Autos saßen! Doch es hat sich gelohnt (siehe Bilder).

Ingo will auch was sagen: Die Reise zum versteinerten Wald von Orochea hat mich sehr beeindruckt. Auf einem mehrere Quadratkilometer großen Gelände liegen die versteinerten Baumriesen in einer grandios einsamen Landschaft herum. Vor etwa 65 Millionen Jahren bedeckte Vulkanasche hier einen Wald und erstickte alles Lebendige. Später sickerte dann Mineralreiches Wasser durch das Geröll und durch Osmose gelangten die Minerale in die Pflanzen und bildeten diese Zelle für Zelle nach. Bei den versteinerten Bäumen erkennt man die Jahresringe und sogar die von Termiten gefressenen Gänge. Genial.

Nach dem Besuch des Waldes haben wir noch genug Zeit, uns Sarmiento anzusehen, das im wesentlichen aus 5 Straßen und den dazugehörigen Querverbindungen besteht. Wie überall in Argentinien sind die Straßen im Schachbrettmuster mit einer Kantenlängen von 125 Metern angeordnet. Das ist auch eine beliebte Längenangabe: Cuadras!

In Sarmiento kann man sich den Bauch mit walisischem Kuchen voll schlagen. Die ersten Einwanderer des 19. Jahrhunderts kamen aus Wales und haben einen Teil ihrer Traditionen (eben den Tee und den Kuchen) bis heute erhalten. Wir gönnen uns eine Riesenkanne und 10 verschiedene Sorten Kuchen. Ehrlich gesagt haben wir keine Wahl. Jeder Tourist muss alle 10 Sorten der Abuela Alicia (Großmutter Alicia) probieren. Rund rollen wir zum Busterminal und bringen die übrige Hälfte des Kuchens dem Argentinierpärchen mit, mit dem wir uns das Taxi zum versteinerten Wald geteilt hatten.


Danach folgte eine Strandtag in Rada Tilly, ein Abendessen in Comodoro am Hafen und ein Warten auf den Nachtbus am Terminal, der um 2.15 Uhr endlich kam. Um 13 Uhr kamen wir dank Schlafsesseln ausgeschlafen hier in Rio Gallegos an. Der Wind pfeift einem um die Ohren und es ist rau wie an der Nordsee.
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Quelle: Ingo zur Übersicht...



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