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Weltreise 2007
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Durch den Altiplano nach Uyuni
10. März 2007, Ingo Froeschmann. Die dreitägige Reise von San Pedro de Atacama im Norden Chiles zum Salzsee von Uyuni in Bolivien führte durch einige der ödesten und gleichzeitig faszinierendsten und schönsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Die Reise beginnt in San Pedro de Atacama auf 2400m über dem Meeresspiegel.


Ragnhild, Roberto, Ingo, Lilian und Hanne (Quelle: Lilian & Ingo)

Um kurz vor acht schleppen wir unsere Rucksäcke 200m weit, von unserem Hostel zum Büro von Pamela Tours. In San Pedro ist alles gut zu Fuß erreichbar, außerdem ist alles sehr gemütlich, so gemütlich, dass das Reisebüro noch geschlossen hat. Wir hatten Zeit unsere Reisegefährten für die kommenden drei Tage kennen zu lernen. Der 25 Jahre alte Brasilianer Roberto traf als nächstes ein. Den größten Teil des Jahres arbeitet er in einem Irish Pub auf Menorca, den Rest des Jahres reist er. Kurz darauf trafen wir Ragnhild und Hanne, zwei Studentinnen aus Norwegen, die bald ihre Auslandssemester in Valparaiso bzw. La Paz antreten werden. Insgesamt waren wir nur fünf Touristen auf der Tour, eine sehr angenehme Zahl, wenn man bedenkt, dass die Agenturen manchmal auch sieben Reisende in einen Jeep packen.

Inzwischen war auch der Minibus angekommen, der uns zur Bolivianischen Grenze bringen sollte. Zunächst war ich entsetzt, denn ich hatte einen Geländewagen erwartet. Unser Jeep würde uns an der Grenze erwarten, wo die eigentliche Straße endet. Außerhalb von San Pedro hatten wir die chilenischen Grenzformalitäten zu erledigen. Das dauerte eine Weile, da Ragnhild mit einem chilenischen Studentenvisum reiste, was eigentlich nicht vorgesehen ist. Sie wurde unter der Bedingung rausgelassen, dass sie innerhalb von drei Tagen zurückkehrt.

Die Fahrt zur Grenze war einfach, aber nicht ohne Schönheit. Die ganze Zeit hatten wir den perfekt geformten Vulkan Licancábur im Blick, 5916m hoch und leicht mit Schnee bedeckt. Die Straße stieg unaufhörlich an und als wir die bolivianische Grenze erreichten, befanden wir uns bereits auf 4000m. Es würde noch schlimmer werden, der höchste Punkt sollte knapp über 5000m liegen. Wisst ihr was Höhenkrankheit ist? Wir würden es erfahren!

Die Grenzformalitäten wurden schnell erledigt, nur einige Geldwechsler versuchten an unsere Euros zu kommen indem sie uns 7 Bolivianos anboten. Glücklicherweise wechselten wir kein Geld, wir fanden später heraus, dass wir für einen Euro 10 Bolivianos bekommen können. Das war aber nur ein typischer Grenzschwindel, in Bolivien sind die Menschen in der Regel sehr freundlich, rücksichtsvoll und ehrlich. An der Grenze trafen wir auch unseren Führer, unseren Koch und unseren Fahrer. Praktischerweise hießen alle drei Claudio. Weniger praktisch war, dass es ein und dieselbe gleiche Person war J. Insgesamt ein sehr netter Kerl, der nur sprach, wenn er angesprochen wurde oder aber wenn es die Situation erforderte. Ein Cowboy eben.

Nun begann die wirklich Reise durch den Altiplano. Die Landschaft hatte sich bereits stark verändert, es war nicht mehr so trocken wie in San Pedro aber durch die harten Bedingungen in dieser Höhe konnten nur wenige Moose, Grase und Büsche überleben. Wir erreichten die Laguna Blanca (Weiße Lagune), die ihre Farbe von dem im Wasser gelösten Borax erhält. Kurz danach besichtigten wir die von Kupfer grün gefärbte Laguna Verde. Bevor der Weg noch weiter anstieg, lud uns der ständig Cocablätter kauende Claudio an einer heißen Quelle ab, wo wir 20 Minuten mit etwa 20 anderen Touristen im warmen Wasser entspannen konnten. Claudio gesellte sich nicht zu uns, er duschte in einer kleinen Hütte etwas abseits des kleinen Pools. Das sollte die Regel werden, jedes Mal wenn wir etwas zu besichtigten hatten oder spazieren gingen hielt er sich abseits.

Der nächste Halt bei Sol de Manana (Morgensonne) war bereits auf der schwindelerregenden Höhe von 4950m. Lilian spürte bereits die ersten Anzeichen von Soroche, der Höhenkrankheit. Sie hatte Kopfschmerzen und ihr war etwas übel. Sol de Manana ist ein vulkanisch aktives Gelände mit Fumarolen, heißen Mudpots (brodelnde Schlammlöcher) und frühmorgens auch Geysiren. Ich hatte so etwas noch nie gesehen, also lief ich herum wie ein kleiner Junge, warf ein paar Steine in die brodelnden Schlammlöcher und hielt meine Hand über das entweichende, heiße Gas. Was für ein Spielplatz! Es gibt hier auch ein Projekt zur Erschließung der Erdwärme. Zur Zeit liegt es jedoch auf Eis, da es in der Nähe einfach keine Konsumenten gibt, welche die Energie nutzen wollen. Kommt und lebt auf 4590m Höhe!

Die Straße stieg noch etwas weiter an und erreichte 5000m, persönlicher Rekord für Lilian. Zu unser aller Erleichterung ging es dann wieder bergab zur Laguna Colorada (Bunte Lagune), die ‚nur' noch auf 4200m Höhe liegt und wo wir die erste Nacht in einer primitiven Unterkunft im 5er-Schlafsaal verbrachten. Die Betten waren zu kurz und es war eisig kalt. Bedingt durch die Höhe hatte ich Kopfschmerzen, einen trockenen Mund und konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Am Morgen, als es Lilian endlich besser ging, wurde mir richtig übel und Roberto erging es nicht besser. Nur die beiden Norwegerinnen hatten außer etwas Schlafschwierigkeiten keine Probleme. Auch der Coca-Mate-Tee hatte uns nicht vor der Höhenkrankheit bewahrt.

Multitalent Claudio hatte Erbarmen und ließ uns etwas länger schlafen. Normalerweise wird um sechs Uhr aufgestanden, aber Claudio hatte nach dem Zustand des Jeeps zu urteilen in der Nacht noch darin gezecht und war über eine Verspätung nicht böse. Unser erster Halt des Tages lag in einem Gebiet, in dem Regen, Wind und Sand bizarre Formen aus den Felsen geschliffen hatten, eine von ihnen sah aus wie ein Baum und hieß deshalb auch Arbol de Piedra (Baum aus Stein). Mir war jedoch immer noch schlecht, so dass Lilian das fotografieren übernehmen musste.

Erst gegen Mittag wurde es besser. Lilian hatte mir Tropfen gegen die Übelkeit und Pillen gegen die Kopfschmerzen verabreicht, so dass ich endlich wieder etwas essen konnte und den aktiven Vulkan Ollague bewundern konnte. Gegen drei Uhr erreichten das Hotel de Sal (Salzhotel), das ausschließlich aus Salzblöcken vom Salar de Uyuni erbaut ist. Nur das Dach besteht aus einer Konstruktion aus Kaktusholz und Plastikplanen. Eine der ungewöhnlichsten und schönsten Herbergen, in denen wir bisher übernachtet haben. Die Salzhotels (es gibt mehrere davon) waren ursprünglich auf dem Salar erbaut worden, wurden aber aufgrund von Bedenken gegen die Umweltverschmutzung an den Rand verlegt. Das Hotel verlangte einen zusätzlichen Obulus für eine heiße Dusche und der Strom wurde um zehn Uhr abgestellt, aber das verschönerte nur die Atmosphäre, da auf jedem Tisch im Gemeinschaftsraum und in den Schlafzimmern Kerzen standen. Wir quatschten also während Claudio die halbe Nacht damit verbrachte, anderen Jeeps aus dem Dreck zu helfen, in dem sie kurz vor dem Hotel stecken geblieben waren. Er hatte auch noch Spaß daran!

Am dritten Tag betraten wir schließlich den größten Salzsee der Welt. 12000 Quadratkilometer blendend weißes Nichts, das dazu noch topfeben ist. Wir hielten an und sofort begannen wir mit unserer Kamera zu experimentieren. Da es auf dem Salzsee nicht möglich ist Entfernungen einzuschätzen, lässt sich das Auge leicht überlisten. Der Salzsee kann aber auch gefährlich sein: jedes Jahr kommen Menschen ums Leben, meistens, weil sie umherlaufen und die Orientierung verlieren. Aufgrund der Spiegelungen auf dem Salz ist man schnell außer Sichtweite seines Fahrzeugs und findet dann nicht mehr zurück. Letztes Jahr war er besonders tückisch, da es viel geregnet hatte und große Teile des Salars unter Wasser standen. Autos blieben stecken und wenn jemand versuchte zum Ufer zu gelangen, um Hilfe zu holen, war die Gefahr zu ertrinken oder zu verdursten groß.

Im Salzsee befinden sich auch richtige Inseln, die am häufigsten besuchte ist die Isla de Pescado, die ihren Namen von der Form eines Fisches hat. Mitten in dieser geräuschlosen weißen Wüste ist die Insel eine Oase mit hunderten von bis zu 12m hohen Kakteen. Ein wunderschöner Ort. Claudio, der uns eigentlich bis ein Uhr in Uyuni abliefern wollte, änderte seinen Plan und fing an, Kaktusfrüchte zu sammeln die er dann mit uns teilte. Lecker, sehr süß und ein bisschen wie mit Mohn besprenkelte Kiwi.

Nach einem letzten Mittagessen auf dem Salzsee fuhr er uns nach Uyuni. Als wir den öden und übel riechenden Ort sahen, entschieden wir uns für die sofortige Weiterreise nach La Paz. Wir hatten gerade noch genug Zeit für ein paar E-Mails und ein Abschiedsbier mit unseren Companeros, dann bestiegen wir den Bus, der direkt aus der bolivianischen Hölle zu kommen schien. Aber das ist eine andere Geschichte.
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Weitere Bilder

Prost

Claudio und sein Jeep

Lilian hebt ab

Die fantastischen Fünf

Isla de Pescado

Schlammloch

Heiße Quelle

Bolivianische Grenze

Roberto, unsere Henne

Vulkan Licancabur

Straßenszene San Pedro




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