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La Paz und Titicacasee
10. March 2007, Lilian Manthei. Ingos Bericht endete mit der Busfahrt von Uyuni nach La Paz. Dies war eine Höllenfahrt, die ich in der Form nicht noch einmal erleben möchte!


Nudelverkäuferin auf dem Mercado Negro in La Paz Vergrößerung (Quelle: Lilian)

Zunächst nahmen wir in der drittletzten Reihe Platz. Die Ebene der Sitzplätze war sehr viel höher als bei anderen Bussen. Man saß ca. 2,5m über der Fahrbahn. Das war ein komisches Gefühl. Da entdeckte ich, dass der Bus zum ersten Mal kein Klo hatte. Und das bei einer 11 stündigen Fahrt! Also stiegen wir aus und gingen noch einmal aufs Bano publico (öffentliches Klo), dass mit Abstand das Schlimmste der ganzen Reise war!

Im Bus bekam ich die Krise: es war alles so eng, man konnte vorne nicht rausgucken, da hinter der ersten Reihe eine schwarze Wand war und es gab keinen hinteren Eingang. Zudem konnte ich meine Lehne nicht nach hinten verstellen und musste nun in 90 Gradstellung ausharren. Dem nicht genug: hinter uns saßen 4 besoffene Bolivianer, einer stand immer an Ingos Lehne, damit er nicht umfiel und sie holten ständig neuen Biernachschub. Sie waren laut, stanken und kauten unentwegt Cocablätter. Die Straße bestand aus Erde, Pfützen und dicken Steinen. Keiner bekam Schlaf. Alle 15-30 Minuten hielt der Bus an. Ich sah durch mein Fenster, das sich zum Glück öffnen ließ (als Fluchtweg und gegen den Gestank), dass der Busfahrer unter den Bus kroch und irgendetwas zu reparieren schien. Na toll! Um 2.30 Uhr hielten wir im Regen an einer "Kneipe", wo wir aufs Klo durften- ohne Worte. Danach versuchte Ingo erneut meine Lehne zu verstellen und es ging plötzlich! Auch die Besoffenen waren eingeschlafen und die Straße war von nun an asphaltiert. Kurz vor La Paz, im gefährlichen Vorort El Alto, ließen sie uns um 9 Uhr morgens aussteigen mit der Begründung die Bremsen seien kaputt! Wir hatten es überlebt.

In El Alto siedeln sich Menschen an, die vom Land nach La Paz flüchten, in der Hoffnung hier mehr zu verdienen. Hier kämpft jeder ums Überleben, es ist dreckig und als Tourist sollte man sich in keine Nebenstraße verirren. Morgens- so habe ich gelesen- werden die Hundeleichen der Nacht in den Rinnstein gespült und manchmal ist auch ein Mensch dabei.

Wir gelangten mit dem Taxi nach La Paz und hatten auf der Fahrt eine tolle Aussicht auf die Stadt, die in einem Kessel auf 3600m bis 4100m Höhe liegt. Die Armen leben oben an den Hängen, die Reichen in ihren Villen im "Tal", da dort die Luft nicht so dünn ist und außerdem es ist wärmer.

Man sieht, falls die Wolken es zulassen den beeindruckenden Vulkan Illimani (6402m) im Hintergrund der Stadt. Wir kamen in einem Hostel in der Haupttouristenstrasse unter. Das Wohnen hier ist so billig, dass wir uns ein eigenes Bad leisten konnten- sonst immer Gemeinschaftsbad.

Nachdem wir geduscht hatten und die gesamt Wäsche zur Wäscherei gebracht hatten, gingen wir auf Erkundungstour. Die Stadt ist wegen der steilen Strassen natürlich nicht leicht zu erlaufen, aber da wir bereits an die Höhe gewöhnt waren, ging das mit minimaler Atemnot recht gut.

Überall sind Märkte und Stände auf der Strasse, auf den Bürgersteigen, Touristenmärkte, Hexenmärkte, alles was man im Leben braucht, bekommt man hier. OK, die getrockneten Lamaembryonen, die es auf dem Hexenmarkt zu kaufen gab, die braucht man nicht unbedingt. Ich genoss unsere Einkaufsbummel und kaufte nur wenige Souvenirs ein auf dem Indígenamarkt, da ich ja nicht viel schleppen kann. Zu Schade! Ingo kaufte nur nützliche Dinge: ein Schloss für seinen Rucksack, Notizblock, Streichhölzer usw. Es kostet alles nur Centbeträge! Hier können wir unser finanzielles Loch wieder stopfen, das sich im Laufe der Reise gebildet hat.

Abends gingen wir ins Coca-Museum, was sehr interessant war. Coca ist nicht gleich Kokain, erst muss es chemisch dazu umgewandelt werden. Hier kauen fast alle Coca, vor allem die armen Minenarbeiter. Coca hilft ihnen Schmerz, Hitze, Kälte, Hunger und Depressionen zu ertragen. Etwa 90 % aller Bolivianer kauen Coca und man erkennt sie an der prallgefüllten Backe. Auch wir versuchten Coca im Museum und stopften uns die Backen mit den bitteren Blättern voll. Dazu ein alkalischer Katalysator, der hilft die Stoffe freizusetzen. Ich merkte außer einem tauben Gefühl in der Backe nichts, keine zentralen Auswirkungen. Ingo erging es ähnlich. Wir haben gelernt, dass die USA von der bolivianischen Regierung verlangen gegen den Kokainhandel vorzugehen. Aus dem Grund werden die Cocafelder regelmäßig zerstört. Die Bauern haben keine Alternative und protestieren dagegen. Viele sterben bei Kämpfen zwischen Bauernschaft und Militär.

Coca ist außerdem einer der Inhaltsstoffe der CocaCola. Jedes Jahr kaufen die USA größere Mengen Coca aus Bolivien. Coca wurde außerdem zu Anästhetika weiterentwickelt (Lidocain, Procain, etc.). Diese werden heute synthetisch hergestellt und in der modernen Medizin verwendet. Freud war der erste Kokainabhängige Mensch. Also alles sehr aufschlussreich.

Nach 2 Tagen verließen wir La Paz in Richtung Titicaca-See. Wir fuhren 3 Stunden Bus und überquerten zwischendurch den See per Boot. In Copacabana fanden wir ebenfalls ein schönes Hostel mit Bad für 6 Euro die Nacht! Copacabana ist ein schöner Ort, der von uns "Gringos" (Touristen) lebt. Hier gibt es wieder Indígena-Artikel aus bunten Stoffen zu kaufen, nette Cafés und Restaurants. Außerdem eine schöne Kirche, die zusammen mit der Plaza den Mittelpunkt des Ortes bildet.

Der See ist angeblich der höchstgelegene schiffbare der Welt mit 3820m über NN. Am Ufer wachsen nur importierte Eukalyptusbäume, da in der Höhe sonst kein anderer Baum überlebt.

Wir aßen Trucha (Forelle) auf dem Mercado Municipal (städtische Markthalle) mit Kartoffeln und Salat- so lecker und preiswert (1,20 Euro). Hier finden sich die besten Köchinnen wie auch auf der Straße in kleinen Imbissbuden.

Anschließend fuhren wir zum ersten Mal zusammen Kayak auf dem Titicacasee. Nachdem wir uns eingespielt hatten, ging es auch sehr gut. Abends aßen wir ein 5 Gänge Menü für 1,70 Euro! Dazu einen welcome drink und nette Musik.

Am Folgetag ging es zurück nach La Paz und dann mit dem Nachtbus hierher- nach Potosí, der Silberstadt. Der Bus war gut- Schlafsessel und mehr Platz!
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Quelle: Ingo zur Übersicht...



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