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Die Minen von Potosí
17. Maerz 2007, Lilian Manthei. Potosí liegt 4070m hoch und rühmt sich, die höchstgelegene Stadt der Welt zu sein. Sie wird auch die Silberstadt genannt, da sie am Cerro Rico liegt, dem reichen Berg, aus dem seit Jahrhunderten Silber und andere Metalle und Mineralien zutage gefördert werden. So kam die Stadt einst zu Reichtum und zählte mit ehemals 1,2 Millionen Einwohnern einmal zu den größten Städten der Welt.


Cerro Rico (Quelle: Lilian)

Letztendlich wurde das meiste Silber von den Spaniern nach Europa verschifft und die Minenarbeiter (Mineros), die meisten von ihnen Indigenas, wurden ausgebeutet. Auch afrikanische Sklaven versuchte man für die Arbeit im Berg einzusetzen, aber sie vertrugen die Höhe nicht und starben oft schon bei der Anreise. Wir wollten uns einen Eindruck verschaffen…

Wir erreichten Potosí um 6 Uhr morgens. Noch schlief die Stadt und auch wir erholten uns von der anstrengenden Nachtfahrt zunächst im Hostel Koala Den, nachdem wir alle Vorsichtsmaßnahmen in den Wind geschlagen hatten und in ein nicht gerade vertrauenswürdig aussehendes Taxi gestiegen waren.

Wir organisierten die Minenbesichtigung für den selben Nachmittag, da bereits Freitag war und am Wochenende nur wenige Mineros arbeiten. Zuvor spazierten wir durch den Ort und bewunderten die vielen schönen Kolonialbauten, u.a. die Casa de Moneda und die Kirchen. Wir stiegen auf einen Aussichtsturm, von dem aus wir einen tollen Blick auf die Stadt und den hinter ihr liegenden, völlig durchwühlten Cerro Rico hatten. Anschließend aßen wir in der Fußgängerzone Saltenas (bolivianische Empanadas), die zum Glück lecker waren, denn es war das einzige, dass es zur Zeit in dem Restaurant gab.

Um 13.30 Uhr (13 Uhr bolivianischer Zeit) wurden wir mit dem Bus abgeholt und fuhren zunächst in einen Hinterhof des Tourbüros. Dort wurden wir mit Gummistiefeln, Gummijacken-, Hosen, Helmen und Lampen ausgestattet. Im diesem Aufzug fuhren wir zum Mercado Minero (Markt der Mineros), damit die Verkäufer auf dem Markt auch mal was zu lachen haben und vor allen Dingen, um für die Minenarbeiter Dynamit, Alkohol, Limonade, Zigaretten und Cocablätter zu kaufen.

Es ist als kleiner Beitrag dafür gedacht, dass man sie bei ihrer schweren Arbeit "besichtigt". Besonders die Verwendung des Dynamits wurde uns von unserem Grubenführer in deutlichem Spanisch genau und genüsslich erklärt. Dabei bekam jeder von uns eine Stange Dynamit in die Hand gedrückt. Das war schon ein mulmiges Gefühl. Dies ist angeblich der einzige Ort auf der Welt, an dem wir legal Dynamit und 96%igen Alkohol kaufen können. Den Alkohol mussten wir natürlich auch gleich probieren, das Dynamit würde später drankommen.

Nachdem wir also ordentlich für die Mineros eingekauft hatten, saßen wir erwartungsvoll Coca-kauend und etwas ängstlich im Bus und fuhren den durchlöcherten Berg hinauf bis zu einem Stolleneingang auf etwa 4500m Höhe. Das Abenteuer begann!

Der Stolleneingang war nichts besonderes, ein knapp mannshohes Loch, durch das Schienen in den Berg führen und aus dem zwei Jungs alle paar Minuten einen mit Steinen gefüllten Karren schoben. Unsere kleine Gruppe bestehend aus Führer und fünf Touristen setzte sich in Bewegung, zweimal mussten wir in dem engen Gang dem Karren ausweichen, bevor wir eine breitere Stelle erreichten und wir einige Minenarbeiter trafen. Unser Führer übernahm das Gespräch mit den Minenarbeitern, sie sprachen zwar zumeist auch Spanisch, aber nicht unbedingt als ihre Muttersprache. Außerdem war es ein ziemlich derbes Spanisch.

Es war bereits merklich wärmer im Stollen geworden und Lilian und eine weitere Touristin beschlossen, dass es genug sei. Sie ließen sich in das ebenfalls unter Tage befindliche Minenmuseum zurückbringen. Zu viert gingen wir weiter und jetzt fing die Krabbelei richtig an. Teilweise auf allen vieren arbeiteten wir uns in engen Gängen zu einer zweiten, etwa 15m tiefer gelegene Ebene vor. Dort trafen wir einen vier Mann starken Trupp, der einen eigenen kleinen Bereich eines zu einer Kooperative gehörenden Stollens bearbeitete. Der Anführer hatte den Bereich von seinem inzwischen pensionierten Vater übernommen. Wir sprachen besonders lange mit einem zwanzigjährigen Minero, der erst seit ein paar Wochen in der Mine arbeitete. Seine Aufgabe war es, mit Hammer und Eisenstange tiefe Löcher in den Fels zu schlagen um sie später mit Dynamit aufzusprengen. Für ein Loch braucht er zwei Stunden, bei hartem Fels auch mal fünf. Presslufthämmer gibt es keine.

Insgesamt arbeiten täglich fast 8000 Menschen im Cerro Rico, seit der "Entdeckung" Amerikas sind etwa 8 Millionen Menschen im Berg selbst oder an den Auswirkungen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen gestorben. Wir arbeiteten uns eine weitere Etage nach unten vor. Mir war inzwischen klar, dass dies keine wirklich touristische Veranstaltung war. Auf einer Holzrampe für Abraum rutschten wir vorsichtig fünf Meter nach unten, vor einem 20m tiefem senkrechten Schacht bogen wir rechts ab und trafen auf einen weiteren Arbeitstrupp.

Die Jungs freuten sich bereits auf das Wochenende und ließen sich von unserem Führer zu einem Päuschen überreden, natürlich nicht ohne Alkohol. Wir vermischten den 96%igen Alkohol mit etwas Cola und ließen einen Flaschenboden als Glas herumgehen. Ein paar Tropfen werden jeweils für Pachamamma, die Mutter Erde, auf den Boden gegossen, der Rest läuft in die Kehle. Die Jungs benutzten einen einfachen Flaschenzug, um schwere Säcke aus einem tiefer gelegenen Schacht zu ziehen. Per Karren wurde das Gestein dann aus dem Berg gebracht.

Wir hatten genug gesehen und hangelten uns wieder nach oben. Lilian hatte gut zwei Stunden im kalten Minenmuseum ausgeharrt und war inzwischen durchgefroren. Wir hielten uns nicht weiter auf und ließen uns aus dem Berg bringen. Vor dem Mineneingang folgte noch die obligatorische Dynamitdemonstration, wie immer fand sich ein Gringo, der die brennende Dynamitstange in der Hand hielt und schließlich in Panik geriet, weil keiner sie ihm abnehmen wollte. Alles ging am Ende gut aus und auch wir sind von der Sprengkraft beeindruckt. Ich bin froh, dass man das Zeug bei uns nicht auf der Straße kaufen kann.
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Quelle: Ingo zur Übersicht...



Weitere Bilder

Blick über Potosi

Führer Rolando & Lilian

Grubeneingang

Minero I

Minero II

Minero III




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