Der Zug in Richtung Irkutsk wartete und die
'Provodnitsa', die Frau, die fuer unseren Wagen
zustaendig war, kontrollierte die Paesse und Visa.
Wir teilten uns das Abteil mit einer mongolischen Frau
und ihrem Sohn. Er war sehr an uns interessiert,
stellte viele Fragen und sprach gut Englisch. Wir
hatten die oberen beiden Betten gebucht, das haben wir
fuer uns entdeckt. Denn da oben hat man seine Ruhe,
wenn auch keinen Tisch zum Essen.
In der Mongolei sahen wir einen grossen Buschbrand,
der auf ein kleines Dorf zulief. Solche Feuermassen
habe ich noch nie gesehen. Es waren mehrere mit Gras
bewachsene Berge betroffen. Der Zug rauschte weiter.
Die Grenzpassage dauerte insgesamt 11 Stunden. Es
wurden Waggons an- und abgehaengt und man durfte ab
und zu aussteigen und aufs Klo gehen. Sehr gnaedig!
Manchmal wurde die "Provo", wie ich sie nenne, aber
auch sehr wuetend, wenn jemand ohne zu fragen
ausgestiegen war. Ingos neues Visum war OK, wir kamen durch. Unser
Mongoleivisum war gerade bis dato gueltig!
Sibirien, wenn auch das suedlich Ende, im Fruehsommer.
Die Landschaft wurde gruener und gruener, die Orte
bestanden aus kleinen Holzhuetten, manchmal nur so
gross wie eine Garage und freilaufenden Tieren.
Nach 2 Naechten und einem Tag kamen wir in Irkutsk an.
Unsere Mitreisenden aus dem Abteil halfen uns noch zu
erfragen, wo wir die naechsten Zugtickets nach
Novosibirsk keufen koennen. Wieder ein Land, in dem
wir die Sprachen nicht sprechen. Aber es gibt einige
Parallelen zum Deutschen und so gewoehnte ich mir an
nicht Englisch, sondern Deutsch zu reden. 'Butterbrot'
gibt es naemlich auch in Russland!
Mit der Tram fuhren wir zum Busbahnhof und mit dem
Minibus 8 Std. nach Olchon Island, der groessten Insel
im Baikalsee. Ingo wurde mit Vodka und fetter Salami
von den Mitreisenden verkoestigt. Mir blieb das
erspart.
Sie machten so eine Art Pilgerfahrt und hielten an
jedem Gebetspflock an, um Vodka zu trinken.
So kamen wir nur langsam voran! Mit der Faehre gings
dann nach Olchon.
Im Ort Khuzhir gab es staubige Sandstrassen,
Bretterbuden, schicke Haeuschen, Kuehe auf der
Dorfstrasse und eine Touristenunterkunft, aus der wir
nach einer Nacht fluechteten. Dort gab es zwar
leckeres Essen (meist Fisch aus dem See) und abends
Lagerfeuer, aber der Preis war uns zu hoch und als ein
Reisebus mit Deutschen ankam, bedeutete das fuer uns
Flucht. So kamen wir bei Olya privat unter und kochten
selbst. Verstaendigung ging nur mit Haenden und
Fuessen, aber egal. Als ich mit meiner Erklaeltung im Bett lag, feuerte sie den Ofen an und fragte, ob ich "Tablettski" habe. Daraufhin zeigte ich ihr meine Medikamentensammlung und sie schien beruhigt.
Tagsueber spazierten wir an den Sandstraenden entlang,
sonnten uns im kuehlen Wind und genossen die tuerkiese
Farbe des Sees, der so gross wie ein Meer zu sein
scheint. Er ist der groesste Frischwassersee der Welt
und hat ein eigenes Mikroklima. Es gibt dort zB
Seerobben, die man ja sonst nur im Meer findet. An der
tiefsten Stelle ist er 1637m tief!
Obwohl der See nur ca. 7 Grad hatte, ging Ingo zweimal
baden (fuer 10 Sekunden)!
Wir lernten Peer kennen, einen lustigen Hamburger, der
ueber Rostock und Moskau seine Weltreise begonnen
hatte. Mit ihm verbrachten wir einige nette Stunden
und begleiteten ihn am Anfang seiner Trekkingtour.
Wir machten einen Ausflug mit dem Minibus in den
Norden der Insel mit, wo wir auf tollen Klippen
herumkraxelten und tatsaechlich Robben sahen! Mittags
kochte unser Fahrer Fischsuppe und Tee ueberm Feuer!
Die Landschaft ist einfach atemberaubend schoen! Es
gibt Schneeberge, sanfte, gruene Huegel, bizarre
Felsen, blaues Wasser, bunte Pflanzen und weisse
Sandstraende.
Nach den Spaziergaengen waermten wir uns in der
'banya', der russischen Sauna, auf. Die heissen
Aufguesse taten doppelt gut, da ich erkaeltet war.
Nach einer Woche Erholung fuhren wir von Irkutsk
weiter nach Novosibirsk.
Wieder 2 Naechte und einen Tag Reiserei. Wir gingen
ins Zugrestaurant und lernten einen russischen
Soldaten kennen, der nach 1 Jahr Militaerdienst zum
ersten Mal Urlaub hatte und heim fuhr. Er zeigte uns
Fotos vom Militaer und der Familie und lud uns zu Bier
und Schnaps ein. Zum Glueck war Horst da, ein
Oesterreicher, den wir zuvor kennengelernt hatten, und
der uebersetzte. Als Horst ging, verabschiedete ich mich
auch. Ingo kam 3 Stunden spaeter stockbesoffen an und
fiel in einen tiefen Schlaf.
In Novosibirsk lernten wir am Fahrkartenschalter
Jevgeni kennen, der uns die Stadt zeigen wollte. Ich
wollte erst mal meine Ruhe haben, Kaffee trinken, ins
Internet, aber er liess sich nicht davon abbringen!
Im Cafe warteten wir auf seinen Freund Sergej, der uns
mit seinem Minibus die Stadt zeigte und sich den Tag
einfach frei nahm. Oper, Theater, Regierungsgebaeude,
dann assen wir Pizza. Jevgeni trank sein 2. Bier.
Anschliessend fuhren wir in den Zoopark und schauten
uns Tiere an. Als wir den Eintritt zahlen wollten
sagten sie, sie seien heute die Eltern, wir die
Kinder und Jevgeni kaufte eine Familienkarte.
Das Highlight waren die poppenden Loewen und der
Autoreifenfressende Braunbaer!
Es war ein schoener Tag mit sehr netten Leuten (findet
man die auch bei uns?). Im Zug warteten bereits die
naechsten neuen Freunde Alexandr und Swetlana...
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