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Mit dem Minibus durch Kirgisien
17. Juli 2007, Lilian Manthei. Wie kommt man von der Hauptstadt Bishkek nach Osh in den Sueden des Landes? Man lasse sich von den ueberteuerten Angeboten der Maenner am Basar nicht beeindrucken und steuere zielsicher an ihnen vorbei, notfalls mit Gewalt. Dann frage man die Minibusfahrer nach "Osh". 600 som (12 Euro) pro Person fuer 11 Stunden Fahrt- gebongt! Okay, Einheimische zahlen wahrscheinlich noch weniger...


Kirgisien vergroessern (Quelle: Lilian)



Die Rucksaecke werden im Kofferraum verstaut und die 2 Plaetze in der hinteren Bankreihe angeboten. Der Bus wird uns nochmals mit dem Wort "Volkswagen" angepriesen. Er sah auch noch gut aus im Vergleich zu anderen Bussen... Eine Flasche Wasser, 2 Broetchen und Aepfel waren auf dem grossen Basar schnell erstanden. Alle einsteigen. Aber wozu? Vor uns bieb ein Platz leer. Eine Frau fehlte. 30 lange Minuten schwitzten wir alle im Bus, waehrend der Fahrer genervt Ausschau hielt. Endlich kam sie, verheult von einem Abschied und kreischte im Bus rum. Uns war klar: die spinnt!

Wir teilten uns die 3er Bank mit einer Frau und ihrem kleinen Sohn, also zu viert. Auch vorne waren 4 Leute auf 3 Plaetzen, nachdem sich ein junger Mann, der zuerst auf der Handbremse sass, auf die 3er Bank setzte. Also 10 Menschen auf 8 Plaetzen. Das konnte ja heiter werden.

Die spinnende "Hexe", wie wir sie nannten, schlug auf den jungen Mann ein (das sollte witzig sein), begoss ihn mit Wasser und liess auch uns nicht in Ruhe. Wir verstanden kein Wort, aber machten gute Miene zum boesen Spiel.

Wir ueberquerten 2 Paesse, die beide ueber 3000m hoch liegen und schlaengelten uns ins Fergana-Tal hinunter. Vorbei an unzaehligen Jurten und Pferdeherden. Die Fohlen waren alle festgebunden, waehrend die Stuten daneben standen. Es ist Ayrag Zeit.

Ayrag (Kumys auf kirgisisch) ist vergorene Stutenmilch. Der Zuckeranteil ist hoeher als der von Kuhmilch, wodurch sie besonders gaerfaehig ist. Die Herstellung erfolgt von Juni bis September. Dazu werden die Stuten von den Fohlen getrennt, so dass die Fohlen gerade nicht mehr an die Euter ihrer Muetter reichen. In dieser bemitleidenswerten Stellung muessen sie nun den ganzen Tag ausharren. Die Stuten werden etwa alle zwei Stunden gemolken. Die Melkerinnen lassen die Fohlen kurz am Euter der Stute saugen um den Milchreflex auszuloesen.

Die Milch wird durch ein Tuch geschlagen, um Fliegen und Haare aus ihr zu entfernen und anschliessend in einen Lederbeutel gefuellt, der aus einer ganzen Rinderhaut genaeht wurde. Darin wird der Ayrag nun gestampft, und zwar mindestens 4000 - 5000 mal. Ayrag soll sehr gesund sein und foerdert die Verdauung...ohne Worte!

Wir hielten am Strassenrand. Dort hing ein Lederbeutel in Rinderform mit eingebautem Wasserhahn. Eine Nomadin fuellte die Milch in eine Schale und wir mussten probieren. Wir wussten schon aus der Mongolei, dass uns das nicht bekommt, aber was solls. Ich wuergte sofort. Aeh war das sauer, wie schlechte Milch! Danach gab es Tischtennisballgrosse Kugeln, das Ganze nur hart und sonnengetrocknet! Genauso eklig, wie saurer Salzteig. Und den esse ich schliesslich auch nicht.

Die Hexe erzaehlte uns wie gesund das fuer den Koerper sei. Ingo verstand, dass sie Aerztin sein. Ich glaubte das nicht. So jemand kann nicht Aerztin sein, unmoeglich! Und es stellte sich raus, dass sie wohl nur irgendwelche Therapien mitmachte. Aber genau wissen wirs nicht. Wir sprechen eben nur 20 Worte russisch, geschweige denn kigisisch. Erschreckend fand ich, dass nicht mal die drei Jugendlichen im Bus Englisch konnten.

Dann kam der Stop fuers Mittagessen irgendwo in den Bergen. Die Hexe lud uns ein. Im "Point it", unserem Bilderwoerterbuch, zeigte ich ihr, dass ich Gemuese mag, aber kein Fleisch. "Dadada" (Jajaja) war die knappe Antwort und sie bestellte. Es kam ein Teller mit fettiger Wurst und 2 Spiegeleiern. Na prima. Ingo wuergte ein fettes Schaschlik hinunter. Zum Glueck gibts immer Fladenbrot und schwarzen Tee.

Als wir Vodka strikt ablehnten, bestellte sie Bier, warm. Unterm Tisch sassen ein paar Hennen, daneben stand ein verstoertes Schaf. Es trat staendig gegen die Hauswand. Die Hexe sagte uns, es solle bald geschlachtet werden. Aha.

Im Bus begann die Mutter des kleinen Jungen zu singen und sie konnte es! Dann sollten wir singen. Wir suchten ein Lied aus, das Ingo besonders mag: Als die Roemer frech geworden... Es stellte sie zufrieden und wir waren erloest.

Als die Mutter erfuhr, dass ich Aerztin bin, sagte sie, dass der Kleine irgendwas am Bauch habe und ob er Antibiotika nehmen muesse. Ich meinte, dass ich dazu den Bauch sehen muesse. Aber der Junge weigerte sich bis zum Schluss.

Erschreckend fanden sie alle, dass wir in unserem Alter keine Kinder haben. Wir geben uns oft als verheiratet aus (weils viel Aerger ersparen kann) und so konnten sie darueber wenigstens beruhigt sein.

Die Plaetze wurden getauscht und der junge Mann kam neben uns. Er riss mir jedes Buch aus der Hand und tat so, als koenne er die Buchstaben entziffern. Irgendwann sagte er "Heil Hitler", auf das wir die Koepfe schuettelten, "Nyet" (nein) sagten und es sehr primitiv fanden. Kein Wort Englisch, aber DAS sagen koennen.

Als wir um 23 Uhr im Hotel Taj Mahal abgeliefert wurden, war ich heilfroh! Aber die Hexe war ja doch noch ganz nett. Man sollte nicht gleich das Schlimmste denken. Und ueber Land und Leute haben wir wieder viel gelernt.
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Quelle: Ingo zur Übersicht...



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Stutenmilch

Bild mit Schaf

Markt

Kirgisien

Kirgisien

Kirgisien



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