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Zwei Laender, eine Insel
07. November 2007, Ingo Froeschmann. Der Kontrast koennte kaum groesser sein. Im Westen des Insel Timor liegt ein abgelegener Winkel des inselreichsten Landes der Welt. Im Osten kaempft ein neues Land, seit 2002 ist das zuvor indonesische Ost Timor offiziell eigenstaendig, mit den Widrigkeiten der (UN)-Abhaengigkeit.


Ingo und Begleitung in Com! vergroessern (Source: Ingo)



Ich war mit dem PELNI-Schiff Awu, das trotz seiner 99m Laenge eher einer Sardinendose aehnelte, von der Stadt Ende auf der Insel Flores nach Kupang in West-Timor gefahren. Die Zustaende an Bord waren nicht ganz so schlimm, wie man es von indonesischen Faehren vielleicht erwartet. Ich hatte bisher immer nur in den Nachrichten von indonesischen Faehren erfahren, die zum Sendezeitpunkt nicht mehr existierten. Bei meiner Ueberfahrt herrschte jedoch ruhiges Sommerwetter. Keine Gefahr.

Stellt Euch meine Ueberraschung vor, als diese Riesenfaehre in den Hafen von Ende einlaeuft und dann nicht anlegt sondern ankert. Der Tiefgang ist zu gross, so dass alle geschaetzten 600 Passagiere mit kleinen Booten zur Faehre gebracht werden muessen. Nach der verspaeteten Ankunft der Awu dauert diese Zirkusnummer (hangeln, balancieren und klettern auf verschiedenen Booten und Treppen) drei weitere Stunden. Die naechste Ueberraschung sind die Schlafsaele, die auf dem Ticket mit KABINE bezeichnet werden. Es sind Liegestaetten fuer jeweils 8 Personen und ueberall krabbelten, nein, keine Ratten (obwohl die mit Sicherheit auf diesem Schiff leben) sondern Kakaerlaken und rotznasige Kinder in ungefaehr gleichen Mengen. Da es keine weiteren Rueckzugsmoeglichkeiten fuer mich gibt, verbringe ich die Ueberfahrt an Deck. Der Gebetsraum, genannt Musholla, scheidet fuer mich natuerlich aus und das direkt nebenan gelegene Bioskop (Kino) zeigt nur Softpornos. Krass, oder?

In West Timor ist die Zugehoerigkeit zu Indonesien unverkennbar. Es gibt zwar lokale Sprachen und Dialekte, aber die Lingua Franca ist eindeutig Indonesisch. Ich habe keine Probleme, mein Indonesisch anzuwenden. In Kupang gibt es zwar ein paar Menschen, die English radebrechen, aber auf dem Weg ueber die Insel hoert das ganz auf. In den beiden Staedten, in denen ich auf dem Weg nach Ost Timor uebernachte, bin ich jeweils der einzige Weisse und anscheinend hat auch in den letzten Wochen niemand hier uebernachtet. Fast egal wo ich hingehe, sofort findet sich eine Menschentraube ein, die mich umringt und mich nach einem “Hello Mister” mit Fragen bombardiert. I feel famous!

In Ost Timor ist alles ploetzlich ganz anders. Das Land hat fast 400 Jahre Kolonialherrschaft hinter sich. Zunaechst haben die Portugiesen 350 Jahre das Land beherrscht aber nicht sonderlich gefoerdert. Dann kamen die Indonesier und haben seit 1975 zumindest eine infrastruktur aufgebaut, aber die Menschen zum teil blutig unterdrueckt. Seit dem Jahr 2002 ist Ost Timor unter UN Schutz ein eigenstaendiges Land. Und damit ist das Problem noch lange nicht geloest. Als die Indonesische Armee das Land 1999 verlassen musste, wurde ein Teil der Infrastruktur und viele Wohnhaeuser und Gebaeude zerstoert. Menschen wurden anschliessend mitten in der Stadt in Fluechtlingslagern untergebracht die es immer noch gibt.

Die Fluechtlingslager sind aus zwei Gruenden permanente Unruheherde. Zum einen gibt es verschiedene politische Gruppierungen, die sich bekaempfen, meist in Strassenschlachten, bei denen Steine geschmissen werden. Die UN- und NGO- Mitarbeiter nennen das passenderweise "rock concerts".

Der zweite Grund fuer Unruhe sind die Hilfsleistungen der UN und anderer Hilfsorganisationen. Da die Fluechtlinge in den Camps mit Nahrung, Wasser und Unterkunft versorgt werden, ist der Anreiz, das Lager zu verlassen, nicht besonders hoch. Im Gegenteil, die lagerinsassen sorgen sogar aktiv dafuer, dass ihr Aufenthalt in den Lagern verlaengert wird, indem sie Neubauten in der Stadt anzuenden. Damit ist die UN in einer Zwickmuehle und kann nicht viel unternehmen, ausser mit viel Personal einigermassen fuer Sicherheit zu Sorgen.

Mein persoenlicher Eindruck ist, dass es nicht funktioniert. Die Strassen sind nach Einbruch der Dunkelheit fast leer, Taxis findet man keine mehr da die Fahrer Angst vor Steinen haben. Tagsueber fahren die UN-Polizei mit ihren teuren Fahrzeugen durch die Stadt und hupt alles aus dem Weg, was nicht bei drei am Strassenrand haelt. Damit macht sich die Un bei der Bevoelkerung natuerlich auch unbeliebt.

Die Menschen in Ost Timor reagieren auch voellig anders als die Indonesier in West Timor. Es herrscht keine Neugier sondern eher finstere Gleichgueltigkeit. Die Angestellten im Hostel sind zwar freundlich, aber meistens voellig ueberdreht und ziemlich verantwortungslos. Eins der Maedchen hatte sich ein Auto geliehen (ohne Fuehrerschein) und prompt einen Motoradfahrer umgefahren. Zum Glueck ist nicht viel passiert, 10 Dollar Schmerzensgeld. Im Todesfall waeren es 1000 Dollar gewesen. Mehr nicht! Leben ist nicht viel wert hier.

Ich hoffe, dass das Land trotz aller Probleme auf die Fuesse kommt. Finanzielle Hilfe kommt zumindest aus Australien, das taeglich eine Million Dollar ueberweist. Natuerlich nicht einfach so, sondern als Entschaedigung dafuer, dass Australien Erdoelvorkommen, die zwischen Ost-Timor und dem Kontinent liegen, ausbeutet. Das Geld wird angelegt und nur die Zinsen stellen dasd Budget des Landes dar. Viel kann es nicht sein, denn erst im Maerz musste die Regierung 600 Polizisten entlassen, woraufhin es wieder Unruhen gab.

Kurz vor meiner Abreise wurde ich zu einer Hochzeit eingeladen. 400 Gaeste, darunter auch ein paar Auslaender sowie der Praesident des kleinen Landes. Essen und Getraenke gab es nicht viel, dafuer wurde umso fleissiger getanzt. Nach jedem Lied leerte sich die Tanzflaeche, alle kehrten auf ihre weissen Plastikstuehle zurueck um kurz darauf wie von der Tarantel gestochen aufzuspringen um eine neue Tanzpartnerin zu erobern. Ein Schauspiel!
Quelle: Ingo zur Übersicht...



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