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Mindoro North-Tour
16. November 2007, Lilian Manthei. Nachdem ich mich 4 Tage mit meiner Kollegin Ursula im Tamarawresort erholt hatte, fuhren wir mit dem Jeepney zurueck nach Calapan, die Hauptstadt Mindoros.


Mangyan in traditioneller Kleidung vergroessern (Source: Lilian)



Ich bezog mein Zimmer im staffhouse und freute mich auf 10 weitere Tage Einsatz fuer die Mangyans. Kurz darauf erfuhr ich, dass wir am naechsten Tag nach Sueden fahren wuerden, um 2 Naechte in Socorro zu uebernachten. Also packte ich alles fuer die Wildnis ein: Moskitonetz, Repellent, Messer, Stiefel, Kopflampe, Bettzeug, Klinikleitfaden Allgemeinmedizin.

Ich lernte beim Abendessen das Nordteam kennen: Hellen (Translaterin), Michael (Fahrer), Cecilia (Tbc-Beauftragte), Tina (Patientenaufnahme), Ella (Pharmacy) und David (caretaker im staffhouse). Alle schienen sehr motiviert und freundlich. Sie packten, planten und kochten fuer die drei Tage ausserhalb Calapans. Sie fragten mich nach meinen bevorzugten Medikamenten, da sie davon mehr mitnehmen wuerden.

Um 6 Uhr ging es los: 2 Stunden Fahrt nach Socorro, wo wir auf dem geraeumigen und schoenen Dachboden eines Priesterhauses unsere Betten bauten. Dann versuchten wir nach Safa zu kommen, was uns nicht gelang, da die Fluesse zu tief und voller Stroemungen waren. Hier hatte es seit 7 Tagen nur geregnet. Michael ging immer barfuss vor und testete den Untergrund und die Tiefe. Dreimal passierten wir den Fluss, aber beim 4. Mal gab es kein Durchkommen. Aber drei unserer Patienten kamen uns entgegen und wateten durch den reissenden Fluss. Es waren Epileptiker, die ihre Folgemedizin abholten. Gute Patientenmitarbeit wuerde ich sagen!

Am 2. Tag stellten wir den Jeep auf einem Weg in den Bergen ab und wanderten mit allem Gepaeck 30 Minuten im Regen durch den Dschungel. Es war sehr schlammig und rutschig. Michael hatte ein Paar Gummistiefel fuer mich im Auto, das mir sehr gelegen kam. Die Landschaft war einfach traumhaft: voller Kokospalmen und Bananenbaeume! Unser Notfallkoffer und andere schwere Kisten wurden mit dem Wasserbueffelschlitten gezogen!

Langsam gewoehnte ich mich an die Art der Mangyans. Sie gruessen mit den Augenbrauen, vermeiden Augenkontakt und sind sehr zurueckhaltend in ihrer Art. Wiederum waren 80% der Patienten Kinder, die unter den hygienischen Bedingungen leiden und oft unterernaehrt sind. In einigen Regionen waren die Patienten so schmutzig, dass ich die Wunden gar nicht sehen konnte und sie erstmal zum Waschen schickte. Der Kinderreichtum ist beeindruckend und auch die Lebensfreude der Menschen.

Sie leben nur von Kokosnuessen, Papayas, Bananen, Wurzelgemuese wie Suesskartoffeln, Reis und Wasser. Durch die schwere landwirtschaftliche Arbeit leiden viele unter Rueckenschmerzen. Bei uns hat jeder Aspirin zu Hause, den Arzt und die Apotheke um die Ecke, hier gibt es das alles nicht.

Durch das Kauen der Bitternuts, was ein Begruessungsritual ist, kommt es zu Magenschleimhautentzuendungen. Einigen jungen Muettern mit vielen unterernaehrten Kindern bot ich Verhuetungsmittel an. Manche nahmen danken an, manche wollten erst mit ihrem Ehemann darueber sprechen. Meistens bestimmt dieser darueber.

Ein stolzer Vater von drei suessen Toechtern beeindruckte mich. Er wollte ab jetzt verhueten und nicht wie die meisten Maenner versuchen einen Sohn zu zeugen. Er sagte, die Toechter seien sein ganzer Stolz und er habe nicht genug zu Essen, um noch mehr Kinder zu ernaehren.

Eine Frau kam mit vier kleinen Soehnen, deren Lungen sich schlecht anhoerten. Ich fragte, ob der Ehemann im Haus rauche. Sie antwortete, dieser sei vor 18 Tagen an Tuberkulose gestorben. Niemand helfe ihr Essen fuer die Jungs zu besorgen. Ich behandelte die pfeiffenden Lungen, gab den Jungen Multivitamine und schenkte ihnen einige T-Shirts von mir. Mehr konnte ich nicht tun... Ich wies wiederum drei Patienten in 10 Tagen ins Krankenhaus ein: einen unterernaehrten Saeugling, eine dehydrierte 5-Jaehrige und einen kollabierten, blassen Mann mit Verdacht auf Magenblutung.

Mit Baulicht und Sirene ging es durch die Waelder und Fluesse. Das Team spottete schon, da ich immer Notfaelle anziehe. Ob im Nachtdienst zu Hause oder im Dschungel von Mindoro.

Als ich die Patienten im Mangyanfluegel im Krankenhaus in Calapan besuchte, kannte ich die halbe Station: alles meine Patienten von letzter und dieser Woche. Die Frau von dem Tetanuspatienten, den wir aus dem Sueden hierher gebracht hatten vor 2 Wochen, drueckte mir die Hand. Es ging ihm viel besser und sie erwartet bald ihr drittes Kind. Auch das dehydrierte Maedchen hatte sich erholt unter den Infusionen und die Augen lagen nicht mehr so tief. Dabei hatte sich der Vater zunaechst nicht begeistert, als ich die Infusion gelegt hatte. Nun laechelte er.

Hoffentlich bleibt die 20 jaehrige Mutter mit dem unterernaehrten Kind im Krankenhaus. Sie wollte erst nicht mit, da sie Angst hatte, dass doch Kosten auf sie zukaemen. Sie habe ja kein Geld. Wir ueberzeugten sie jedoch. Alle Kosten uebernehme der Staat, die Medikamente und die Milch bezahlt "German Doctors". Das Kind sah wirklich schlecht aus und ihr erstes Baby war bereits an Marasmus gestorben. Leider kann ich sie nicht mehr besuchen, da es mein letzter Tag ist.

Mit dem Team hatte ich viel Spass! Sie sprachen gut Englisch, lachten sehr viel (wie alle Philippinos) und wir schauten abends die kitschige TV-Soap "Marimar" zusammen. Karaoke ist immer praesent gewesen, da es einen eigenen Fernsehkanal dafuer gibt und im staffhouse abends gesungen wurde. Als "doctora" und Teamcaptain (wie es im Ordner steht) wird man hier wirklich sehr zuvorkommend behandelt und das Team tut alles, damit man sich wohl fuehlt! Sogar die Ratte im Haus haben sie fuer mich verscheucht, obwohl sie selber Angst hatten! Ich habe grossen Respekt vor der Arbeit des Teams und habe jede(n) einzeln in mein Herz geschlossen. Ich hoffe irgendwann noch einmal wiederkommen zu koennen! SALAMAT!
Quelle: Ingo zur Übersicht...



Weitere Bilder

Pater A. Postma aus Holland

30 Min. Marsch zur area

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Notfall



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